Transparenz als Leitgebot

Der Hamburger Kaufmann Alfred Toepfer gründete die Stiftung F.V.S. im Jahre 1931, sie wurde nach seinem Tod 1993 nach ihrem Stifter benannt. Die von der Familie gewünschte Aufnahme des Namens des Stifters in die Bezeichnung der Stiftung wird heute nicht als eine undifferenzierte Respektsbezeugung verstanden, sondern als Akt der Transparenz zur Herkunft des Stiftungsvermögens. Aufgrund ihrer lange zurückreichenden Geschichte sieht sich die Stiftung in einer besonderen Verantwortung, ihr Wirken und die kulturellen, politischen und geschäftlichen Aktivitäten Alfred Toepfers zu erforschen und der Öffentlichkeit transparent zu machen. Für wissenschaftliche Untersuchungen zur Geschichte Alfred Toepfers, seiner Stiftungen und Unternehmungen stellt die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. ein Archiv-Stipendium zur Verfügung (siehe DOWNLOADS).

Ein Blick in die Biographie des Stifters

Alfred Toepfer wurde 1894 geboren. Er baute in den 1920er Jahren mit großem Erfolg ein Handelsunternehmen für landwirtschaftliche Produkte auf und ließ deren Erträge 1931 in die Stiftung F. V. S. einfließen, benannt vermutlich nach dem preußischen Reformer und Freiherrn vom Stein. Seine politischen Vorstellungen in dieser Zeit wurden insbesondere von der Pflege des Auslandsdeutschtums, der Förderung einer naturnahen Jugendbewegung und wirtschaftlicher Liberalität geprägt, eine Parteiorientierung ließ sich dabei nicht erkennen.

Ein begeisterter Anhänger des Nationalsozialismus wurde Toepfer nach 1933 nicht. In vielen Details ist jedoch Toepfers Unterstützung für einzelne Ziele, Personen und Organisationen des nationalsozialistischen Regimes nachzuweisen, wie in den Publikationen ausgeführt wird. Im Jahr 1938 zog er sich wegen Problemen mit der Finanzverwaltung aus der Firma zurück, wurde deswegen auch kurzzeitig inhaftiert. Ab 1940 diente Toepfer bei der Wehrmacht, zunächst in der Abwehr, später bei der Devisenbeschaffung. Nach dem Krieg wurde er zunächst interniert, in den folgenden Entnazifizierungsverfahren wurde er als „nicht belastet“ eingestuft und nahm die unternehmerische und philanthropische Arbeit wieder auf.

Stationen historischer Aufarbeitung

Bis zum Tod des Stifters wurde selten öffentlich nach seiner Rolle als Offizier der Wehrmacht im besetzten Frankreich oder den Aktivitäten und Zielsetzungen seiner verschiedenen Stiftungen in der Zeit des Nationalsozialismus gefragt. Vereinzelten Nachforschungen begegneten Weggefährten und Stiftungspersonal geradezu indigniert mit dem Verweis auf den Einsatz Toepfers für die europäische Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg, die zahlreichen von der Stiftung geförderten Begegnungs- und Stipendienprogramme sowie seine umfangreichen philanthropischen Aktivitäten in den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Naturschutz und Völkerverständigung.

Erst die Publikation eines Beitrags eines geschichtsinteressierten Mülhausener Lehrers in einer elsässischen Zeitschrift im Sommer 1995 brachte einen Stein ins Rollen, der letztlich nach vielen Weiterungen und kontroversen Diskussionen zu einer umfassenden und noch immer nicht abgeschlossenen Auseinandersetzung der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. mit ihrer eigenen Vergangenheit führte. Der Artikel, in dem der Autor massive Vorwürfe gegen Toepfer erhob und ihm unterstellte, auch nach dem Zweiten Weltkrieg verdeckt an politischen Überzeugungen und Zielen mit Nähe zum Nationalsozialismus festgehalten zu haben, führte mit weiteren Veröffentlichungen dazu, dass im Folgejahr sowohl die Stadt wie auch die Universität Straßburg ohne weitergehende Prüfungen ihre Zusammenarbeit mit der Stiftung im Rahmen des langjährig gemeinsam verliehenen Straßburg Preises für deutsch-französische Zusammenarbeit einstellte.

Nachdem die Stiftung den Vorfall zunächst vornehmlich als ein „Kommunikationsproblem“ angesehen und eine PR-Agentur mit der Ausarbeitung eines Handlungskonzepts zur Reaktion auf diese „Angriffe“ beauftragt hatte, wandelte sich diese Einschätzung im Zuge der Einsetzung einer unabhängigen wissenschaftlichen Historikerkommission zu dem Thema grundlegend. Die in Buchform vorgelegten Ergebnisse der Kommission verdeutlichten, dass die Figur des Stifters im Lichte seiner Kontakte und Beziehungen zum nationalsozialistischen Regime einer umfassenden, kritischen und distanzierten Neubewertung zu unterziehen war (siehe DOWNLOADS).

Eine ergänzende, ebenfalls von der Stiftung unterstützte Forschungsarbeit von Dr. Jan Zimmermann über die Preisaktivitäten der Stiftung F.V.S. zwischen 1935 und 1945 bewies, dass dieses ebenso für die Arbeit der Stiftung in der Zeit galt. Zugleich wurde jedoch auch offenbar, dass viele der zum Teil polemisch und ohne eigene Quellenkenntnis vorgebrachten Vorwürfe gegen Stifter und Stiftung – so wichtig sie auch waren, die Stiftung zu einer Befassung mit ihrer eigenen Geschichte zu zwingen – zumeist so nicht haltbar waren. Wohl aber fand die Kommission andere belastende Erkenntnisse und wies auf weitere Forschungslücken hin.

Heute sind alle zu diesem Thema relevanten und erforschten Kenntnisse uneingeschränkt über die Website der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. und ihre Publikationen zu erschließen. Die Stiftung bemüht sich mit der öffentlichen Reflexion ihrer Vergangenheit um einen Beitrag zur Erforschung der Rolle von Kultureinrichtungen bei der Errichtung, Befestigung und Ausdehnung der nationalsozialistischen Herrschaft. Auch die Fragen nach personeller Kontinuität im Kultur- und Geistesleben der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 sowie die Frage nach Entwicklungen und Brüchen im kulturellen Engagement einzelner Stifterpersönlichkeiten beschäftigt die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. ganz unmittelbar.