26. Mai 2005
Puschkin-Preis 2005 für Boris Paramonow

Auf Entscheidung des unabhängigen deutsch-russischen Kuratoriums ging der mit 15.000 Euro dotierte Alexander-Sergejewitsch-Puschkin-Preis 2005 der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. an den russischen Philosophen, Schriftsteller und Publizisten Boris Paramonow. Der Preis wurde in diesem Jahr erstmals in der Sparte Essayistik verliehen.

Mit der Auszeichnung wurde Boris Paramonow für sein umfängliches essayistisches Werk geehrt, das er seit beinahe zwanzig Jahren in unzähligen Kolumnen für den Rundfunksender Radio Svoboda/Free Europe sowie in vielfältig gedruckter Form veröffentlicht hat.

Fundiert in der Analyse, originell, nicht selten provokant im Gedanken – in artistischer Manier weiß Paramonow die spezifischen Vorzüge des essayistischen Genres zu nutzen, entwickelt es zu einem populären medialen Format. Fruchtbar vermag er dabei die russische und die westliche, insbesondere amerikanische kulturelle Theorie und Praxis zueinander in Beziehung zu setzen.

Durch ein Kontinuum ausgewählter, zugespitzter, auch vermeintlich abwegiger Themenstellungen – politische und weltanschauliche Schlüsselfragen ebenso wie subjektive Einzelerfahrungen, herausragende ebenso wie marginale Persönlichkeiten der Kultur- und Literaturgeschichte, „Events“ ebenso wie Phänomene der Trivial- und Alltagskultur erfassend – ergibt sich ein Kosmos der Kulturbetrachtung, der die russische Öffentlichkeit beständig und nachhaltig anzusprechen und herauszufordern versteht.

Die Preisverleihung fand am 26. Mai 2005 in Moskau statt.

Boris Paramonow
wurde 1937 in Leningrad geboren. Er studierte an der dortigen Universität Geschichte und promovierte in Philosophie (Dostojewski und die Slawophilie). Arbeitete als Korrektor im Verlag Lenisdat, lehrte Philosophiegeschichte an der Leningrader Universität. Nach seinem Rauswurf emigrierte er 1977 zunächst nach Italien, später in die USA. Bei Radio Svoboda / Free Europe gestaltet er seit Mitte der 80er Jahre die Sendung Russische Idee (später Russische Fragen); ferner betreut er die Rubrik Philosophische Kommentare der Petersburger Zeitschrift Swesda; zahlreiche Einzelveröffentlichungen in Kontinent, Wremja i my, Grani, Oktjabr, Snamja u. a.

Eine größere Sammlung seiner Essays erschien unter dem Titel Konez stilja (Ende des Stils) 1997 im Moskauer Verlag Agraf; weitere Buchveröffentlichungen: Snischoshdenie Orfeja (Orpheus’ Milde), Tallinn 1997; Sled (Die Spur), Moskau 2001. Ein Teil der Radiokolumnen findet sich gesammelt im Internet unter http://www.svoboda.org/programs/RQ/.

Der Autor erhielt 1993 den Preis der Zeitschrift Swesda und 1995 den Petersburger Literaturpreis Sewernaja Palmyra. Boris Paramonow lebt in New York.

Der Alexander-Sergejewitsch-Puschkin Preis
der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. gehört zusammen mit dem Londoner Booker Prize zu den wichtigsten ausländischen Preisen, die an russische Schriftsteller vergeben werden. Der Puschkin-Preis wird an Autoren vergeben, die in russischer Sprache schreiben. Im Gegensatz zum Booker Prize zeichnet die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. mit dem Puschkin-Preis ein ganzes Œuvre aus. Er ist mit 15.000 Euro dotiert und wird seit 1989 vergeben. Seit 1991 verleihen die Stiftung und das russische PEN-Zentrum den Preis gemeinsam.

Bisherige Empfänger des Puschkin-Preises
waren Andrej Bitow, Moskau (1990), Ljudmila Petruschewskaja, Moskau (1991), Fasil Iskander, Moskau (1992), Dmitrij Prigow und Timur Kibirow, beide Moskau (1993), Bella Achmadulina, Moskau (1994), Semjon Lipkin, Moskau (1995), Sascha Sokolow, Vermont/USA (1996), Viktor Astafjew, Krasnojarsk (1997), Vladimir Makanin (1998) sowie im Jahre 1999 Oleg Tschuchonzew (Moskau) und Aleksander Kuschner (St. Petersburg) und im Jahre 2000 Jurij Mamlejew, Moskau und im Jahr 2001 Juz Aleschkowskij Connecticut/USA.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Annekatrin Gall,
Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. Tel.: 040 / 33 40 217.
Email:
gall(at)toepfer-fvs.de