Katell Gélébart

Katell Gélébart, 1972 in der Bretagne geboren, wuchs in einer kreativen Familie auf und entdeckte schon als Kind die Welt des Designs: aus Stoffresten und Pappkartons, die sie im Haushalt fand, fertigte sie Kleider für den Teddy und Möbel für die Puppen. Dieses Prinzip der Wiederverwertung prägt bis heute ihr kreatives Schaffen. 

Zunächst studierte sie Kunstgeschichte an der Ecole du Louvre, danach machte sie ihren Master in Dänischer Sprache an der Sorbonne. Während des Studiums in Paris engagierte sie sich für verschiedene Umweltorganisationen. Ihren ersten Shop für Recycling- Mode eröffnete sie 1998 in Amsterdam. Den Laden gibt es nicht mehr, aber sein Name wurde zum Programm: ART D’ECO. Unter diesem Label kreiert Katell Gélébart seit mehr als zehn Jahren Kleidung, Taschen, Lampen, Möbel und andere Objekte. Mit beeindruckender Konsequenz nutzt sie ausschließlich Materialien, die bereits vorhanden sind: Verpackungen aus neuseeländischen Haushalten, Seide aus indischen Produktionsüberschüssen, Filz aus sowjetischen Armeebeständen oder alte Leinensäcke der Deutschen Post. Das Konzept der Wiederverwertung haben auch andere Designer für sich entdeckt, aber Katell Gélébart arbeitet schon lange und wegweisend mit dieser Methode. 

Dabei geht es ihr weniger um raffinierte Schnitte oder modische Trends, sondern um den bewussten und schonenden Umgang mit Material. Was andere als Beschränkung empfinden, beflügelt ihre Phantasie. Etwas Neues zu erschaffen, ohne dabei Ressourcen zu verschwenden oder Abfall zu produzieren, ist für sie Herausforderung und Inspiration zugleich. Und am Ende des kreativen Prozesses entsteht dann unerwartet Schönes: ein Regenmantel aus knallbunter Katzenfutterverpackung oder eine elegant geschwungene Lampe aus alten Aluminiumjalousien.

Ihre Arbeit birgt jedoch nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine ethische Dimension. Als moderne Nomadin ist Katell Gélébart weltweit vernetzt und begegnet den Menschen, mit denen sie zusammenarbeitet, stets mit Neugier, Respekt und Empathie. Es ist für sie selbstverständlich, auf lokale Besonderheiten Rücksicht zu nehmen. Der sensible Umgang mit Menschen und ihrer Geschichte schafft ein Klima des Vertrauens und öffnet der Designerin viele Türen. Katell Gélébart vertritt ihre Ansichten überzeugend und leidenschaftlich, will jedoch nicht anprangern oder missionieren. Natürlich ist ihre Arbeit eine Kritik an Konsumwahn, Verschwendung und Oberflächlichkeit, aber darüber hinaus reizt es sie, das ästhetische Potential von Dingen zu erkennen, die andere in den Müll werfen würden. Der KAIROS-Preis würdigt Katell Gélébart deshalb vor allem als kreative Visionärin.

Die Preisverleihung fand am 4. März 2012 im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg statt. Am selben Tag wurde im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg eine Ausstellung mit Designobjekten von Katell Gélébart eröffnet, die bis zum 6. Mai 2012 zu sehen war. 

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