Pawel Althamer

Pawel Althamer, 1967 in Warschau geboren, studierte Bildhauerei an der Kunstakademie in Warschau. Ein früher künstlerischer Ausgangspunkt waren Skulpturen, für die er natürliche Materialien wie Gras, Wachs oder Haare verarbeitete, die nach einer gewissen Zeit verrotten und somit auf die Vergänglichkeit der Kunst hinweisen. Seit den 90er Jahren verfolgt Althamer eine besondere Form der partizipatorischen Kunstproduktion. Aus diesen Projekten ergeben sich nicht nur charakteristische Werke, sondern auch einzigartige Erlebnisse für die Beteiligten. 

So ließ er 2011 während der Ausstellung „Almech“ in der „Deutsche Guggenheim“ skulpturale Porträts von Besuchern und Ausstellungsführern, Reinigungs- und Wachpersonal, leitenden Bankangestellten und deren Kunden anfertigen und schuf damit ein monumentales, kollektives Selbstporträt. Die Porträtierten entdeckten die Möglichkeit der aktiven Beteiligung und Intervention, sie fanden sich in ihren Skulpturen wieder und verliehen der sonst üblichen Anonymität eines Ausstellungsbesuches ein individuelles Gesicht.  

In anderen Performances arbeitet Pawel Althamer mit Obdachlosen, Häftlingen oder Schwerkranken, die er aus ihrer isolierten sozialen Rolle herauslöst und zu künstlerischen Mitspielern ermächtigt. So leitet er beispielsweise seit fast zwanzig Jahren die „Nowolipie Gruppe“, einen wöchentlichen Bildhauer-Workshop für an multipler Sklerose erkrankte Patienten. Die künstlerische Strategie der „sozialen Skulptur“ prägt Althamers gesamtes Schaffen. Zur Jahrtausendwende inszenierte er mit seinen Nachbarn im gleichnamigen Wohnblock die kollektive Skulptur „Brodno“. Er mobilisierte 200 Mieter, das Licht nach einem speziellen Plan an- und auszuschalten, so dass um Mitternacht auf der Fassade die Zahl 2000 sichtbar wurde. Diese einfache Idee verknüpfte auf überzeugende Weise Kunst und Leben, denn sie bot nicht nur eine visuelle Botschaft für den Betrachter, sondern stärkte auch die Gemeinschaft der Mieter. 2009 übertrug er die Rolle des Künstlers auf die Schulkinder der Stadt Kassel und überließ ihnen seine Ausstellung im Museum Fridericianum.

„Pawel Althamer beantwortet gesellschaftspolitische Fragen nach Partizipation, Gerechtigkeit und individuellen Handlungsspielräumen mit künstlerischen Strategien, die vertraute Strukturen und Regelsysteme unterlaufen. Wie wir wohnen, wie wir arbeiten, welche Werte uns wichtig sind – all das wird durch seine Installationen, Performances und Aktionen auf überraschende Weise bewusst. Er richtet unsere Aufmerksamkeit auf scheinbar Selbstverständliches oder Verdrängtes und vereint damit ästhetischen Anspruch und soziale Sensibilität in einem unverwechselbaren künstlerischen Schaffen, das Spuren hinterlässt.“, begründet das KAIROS-Kuratorium seine Wahl.

Die Verleihung des KAIROS-Preises an Pawel Althamer fand am 24. Februar 2013 im Deutschen Schauspielhaus Hamburg statt.

 

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