Max-Brauer-Preis 2013 für „KAROLA-Internationaler Treffpunkt für Frauen und Mädchen e.V.“ und „Geschichtswerkstätten Hamburg“

KAROLA e.V.

Der Verein „KAROLA-Internationaler Treffpunkt für Frauen und Mädchen e.V.“ wurde gegründet und erkämpft von Bürgerinnen des Karolinenviertels in Hamburg-St. Pauli. Der seit 1984 aktive Verein ermöglicht einen Vermittlungsraum zum Zuhören und Beraten. In Hamburg befinden sich bis zu 50.000 Sinti und Roma, die ihre Herkunft verbergen, da sie weiterhin gesellschaftliche Ausgrenzung erfahren. Trotzdem hat es die motivierten Bewohnerinnen des Karolinenviertels nicht entmutigt eine Einrichtung aufzubauen, in der insbesondere aus Serbien zugewanderte Frauen und Mädchen sich den Mitarbeiterinnen anvertrauen können. Die Roma-Frauen sprechen offen über ihre persönlichen und familiären Probleme, erfahren Beratung im Umgang mit Behörden und Ämtern und können sich im Lesen, Rechnen und Schreiben fortbilden. Das große Vertrauen, das die Frauen den Mitarbeiterinnen des Vereins entgegenbringen, ist ausschlaggebend, um den Teufelskreis aus unzureichender Bildung, Arbeitslosigkeit, Armut und sozialer Ausgrenzung zu durchbrechen. Und auch die nächste Generation profitiert von der Arbeit des Vereins, denn nun fühlen sich die Mütter unter den Roma-Frauen verpflichtet, die Bildung ihrer Kinder zu fördern.

Derzeit wird die Arbeit von KAROLA e.V. finanziert über das Projekt „Zukunft statt Herkunft – Chancen durch Bildung für Roma und Sinti“ sowie das Projekt „Bei euch kommen wir an“. Dies war jedoch nicht immer so. Aufgrund allgemeiner Sparmaßnahmen wurde 1998 die institutionelle Förderung für den Verein durch die Stadt Hamburg und die Kirche komplett eingestellt. Mit der Einstellung der Förderung verschwanden jedoch nicht die Probleme vor Ort. Darum entschieden sich Frauen aus dem Stadtteil damals, den Verein in Eigenregie zunächst ehrenamtlich weiterzuführen. Unterstützt durch Projektförderungen und private Spenden ist es über fünfzehn Jahre gelungen, die Situation von KAROLA e.V. zu stabilisieren und sowohl bei den Besucherinnen als auch bei Institutionen Anerkennung zu finden. 

Geschichtswerkstätten Hamburg e.V.

Die bewegte Geschichte des Vereins KAROLA und die Erlebnisse der dort betreuten Roma-Frauen wären auch Thema für die Hamburger Geschichtswerkstätten, denn diese verstehen sich als Orte der lebendigen Erinnerungen der „Kleinen Leute“, der Begegnung der Generationen und der Kulturen in den Bezirken, Stadtteilen und Quartieren. Seit der Gründung des Stadtteilarchivs Ottensen 1980 wuchs die Bewegung der „Geschichte von unten“ bis heute auf neunzehn Einrichtungen und bildet damit einen Teil des kollektiven Gedächtnisses der Stadt. In den Sammlungen und Archiven, Publikationen, Ausstellungen und Dokumentationen stecken Jahrzehnte ehrenamtlicher Arbeit engagierter Bürgerinnen und Bürger. Für die Wissenschaft und die Hamburger Schulen sind die Geschichtswerkstätten zuverlässige Partner mit vielfältigen Schwerpunkten und aktuellen Bezügen. Seit 1991 fördert die Stadt Hamburg die Ge­schichts­werkstätten im Kontext der Stadtteilkultur.

Nach einschneidenden Mittelkürzungen 2004 schaffte es die Gemeinschaft der Ge­schichts­werkstätten, einen HASPA-Hamburg-Stifter-Preis zu gewinnen, dessen Fonds die Stadt Hamburg aufstockte. Mit den bescheidenen jährlichen Erträgen des Fonds werden Gemeinschaftsprojekte finanziert. Der 2009 gegründete Verband „Geschichtswerkstätten Hamburg e.V.“ vollendete dann den eingeschlagenen Weg mit dem Ziel, das Überleben der Hamburger Geschichtswerkstätten zu sichern und Neugründungen zu ermöglichen – ein vorbildlicher Einsatz für Hamburg und seine Bürger und das eigene Überleben in der Gemeinschaft.

 

Die Preisverleihung fand am 17. Oktober 2013 in der „FABRIK“ statt.

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