Rainer Nicolaysen & Eckart Krause

Eckart Krause und Rainer Nicolaysen sind Motoren der Geschichtsaufarbeitung der Universität Hamburg. Für ihr außerordentliches Engagement verlieh ihnen die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. den Max-Brauer-Preis 2008. Die Preisverleihung fand am 2. Juni 2008 im Ernst Cassirer-Hörsaal der Universität Hamburg statt.

Die längste Zeit ohne Auftrag, ohne Budget und ohne Entlastung, dafür mit großer Beharrlichkeit hat Eckart Krause über ein Vierteljahrhundert die Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte aufgebaut. Diese Dokumentations- und Forschungsstätte, inzwischen anerkanntes „Gedächtnis der Universität“, entstand als „Nebenprodukt“ eines von ihm ehrenamtlich koordinierten Forschungsprojektes, in welchem über 50 Beteiligte aus zwei Dutzend Wissenschaftsdisziplinen die Geschichte der Hamburger Universität im „Dritten Reich“ erarbeitet haben. Eckart Krause hat mit dem daraus entstandenen Werk „Hochschulalltag im ‚Dritten Reich’“ (Hg. Eckart Krause, Ludwig Huber, Holger Fischer) Maßstäbe gesetzt. Krause hat an die bedeutenden Leistungen der Hamburger Universität zwischen 1919 und 1933 ebenso erinnert wie an die anschließende Vertreibung des kritischen Geistes und den schwierigen Umgang mit der eigenen Vergangenheit nach 1945.

Rainer Nicolaysen hat diesen Prozess mit eigener Forschung seit langem begleitet. Mit seiner Biographie des aus Hamburg vertriebenen, nach 1945 zurückgekehrten Politikwissenschaftlers Siegfried Landshut begann eine anspruchsvolle Spurensuche, die sich neben anderen dem Leben und Werk der Juristin Magdalene Schoch sowie des Osteuropahistorikers Richard Salomon gewidmet hat. Nicolaysen erforschte zudem  in einem befristeten Projekt die unbearbeitete Nachkriegsgeschichte der Universität Hamburg bis 1970. 

Mit der Verleihung des Max-Brauer-Preises an Eckart Krause und Rainer Nicolaysen wollte die Stiftung F.V.S das Engagement beider Historiker anerkennen und zugleich die Universität ermutigen, die beeindruckende Erinnerungsarbeit nachhaltig zu fördern.

Auf Spurensuche

In einem Artikel beschreibt Rainer Nicolaysen das Leben der Juristin Magdalene Schoch – eines der Ergebnisse seiner Biographiearbeit. Die ausführliche Fassung dieses Artikels ist 2006 erschienen in der Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 92, Seite 113-143 (PDF Download).

Die Entscheidung – Über das couragierte Leben von Magdalene Schoch (1897-1987)

Es war keine Kündigung wie jede andere. Nach siebzehn ertragreichen, bis 1933 geradezu erfüllten Jahren an der Hamburger Universität gab die 40-jährige Privatdozentin Dr. Magdalene Schoch ihre Stellung in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät zum 1. November 1937 auf, beendete ihre vormals verheißungsvolle juristische Karriere in Deutschland und entschied sich für ein ungewisses Exil in den USA: ein Schritt, der ihr nicht leicht fiel, der sich für die überzeugte Demokratin jedoch seit Machtübernahme der Nationalsozialisten immer mehr als Notwendigkeit abgezeichnet hatte. Spürbar war der Druck gewachsen auf eine Wissenschaftlerin, die nicht bereit war, sich „gleichzuschalten“ und den Vorgaben eines inhumanen Regimes zu entsprechen. Während auch im universitären Umfeld „Anpassungsleistungen“ oder gar Zustimmung zum „neuen Staat“ die Regel waren, hielt Magdalene Schoch konsequent am eigenen Normensystem fest. Zunehmender Isolierung und Gefährdung begegnete sie schließlich durch Flucht in die „freie Welt“. Ihrer Mutter schrieb sie im Sommer 1938, sie habe ein ihr unerträglich gewordenes Leben aufgegeben und ein neues gesucht: Dazu habe es schließlich keines Mutes mehr bedurft, es sei nichts anderes gewesen als „Selbsterhaltungstrieb“.

Zum Weiterlesen klicken Sie bitte hier.