„Förderfonds Demokratie“ – Bewerbungen bis 30. März möglich

„Was trägt Ihr Projekt zur Stärkung der Demokratie bei?“ – unter dieser Leitfrage startet die zweite von zunächst drei Bewerbungsrunden des Förderfonds Demokratie. Dieser wurde zur Stärkung demokratischer Werte von der Alfred Toepfer Stiftung gemeinsam mit sieben weiteren Stiftungen ins Leben gerufen. Bis zum 30. März können sich Initiativen bewerben, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, Pluralität fördern und Menschen zur Übernahme von Verantwortung für ein demokratisches Miteinander ermutigen. Weitere Informationen, sowie das Bewerbungsformular erhalten Sie hier.

„Projektfonds Kultur & Schule“ – Bewerbungen bis 31. März möglich

Mit dem Projektfonds Kultur und Schule werden Kooperationsvorhaben zwischen Schule und Kultur in Hamburg gefördert. Der Fonds ist ein Projekt der LAG Kinder- und Jugendkultur e.V. und wird von der Alfred Toepfer Stiftung, sowie sechs weiteren Hamburger Stiftungen unterstützt. Im ersten Förderjahr 2019 konnten 52 Kooperationsprojekte mit der Förderung durch den Fonds durchgeführt werden. Die aktuelle Ausschreibungsfrist der zweiten Förderrunde für Projekte, die noch in diesem Kalenderjahr starten, läuft noch bis zum 31. März. Genauere Informationen, sowie das Online-Antragsformular finden Sie auf der Website der LAG.

Ausschreibung 2020: Stipendien für den Schulbauernhof Wilsede

Die Alfred Toepfer Stiftung vergibt 2020 wieder Voll- und Teilstipendien für den Schulbauernhof Wilsede! Auf dem Schulbauernhof erhalten Hamburger Schüler die Möglichkeit, im Schuljahr 2020/21 eine Woche lang den Naturschutzpark Lüneburger Heide und die Arbeit auf einem Bauernhof zu erleben. Ziel der Gruppenstipendien ist es, den Zusammenhalt unter den Schülern zu stärken, sowie Interesse und Spaß an der Natur und speziell an der Lüneburger Heide zu wecken. Bewerbungen sind ab sofort bis zum 29. Februar 2020 möglich. Weitere Informationen erhalten Sie hier. 

Siggener Begegnungen

Was heißt Republikanismus heute?

Von Jens Jeep

Bereits der Vorstellungsabend der „Siggener Begegnungen“ zum Thema Republikanismus zeigte allzu offensichtlich, dass die thematisch gestellte Frage mehr als berechtigt war: Die Erkenntnis, mit 49 Jahren der Youngster unter den Seminarteilnehmern zu sein, bescherte dem Autor dieser Zeilen zwar das vergängliche Gefühl fortbestehender Jugend, welches aber schnell abgelöst wurde von der Erkenntnis, welch geringe Strahlkraft der Begriff des Republikanismus offensichtlich auf wirklich junge Menschen ausübt. Darin liegt ein großes Problem unserer Gesellschaft. Verstehen wir die Republik wirklich allein in der Abgrenzung zur Monarchie und zur Diktatur? Ist also der Akt des Wahlgangs alle vier oder fünf Jahre bereits alles, was diese Staatsform von uns Bürgern verlangt, um zu erreichen, was zu erreichen doch das Ziel sein muss: Ein möglichst gutes (Zusammen)leben aller Bürger?

Wenn es so wäre, dann müsste unser Land eigentlich Bundesdemokratie Deutschland heißen. Das tut es aber nicht. Wir haben die Republik immerhin als konstitutiven Teil unserer Staatsbezeichnung gewählt, weshalb die Frage mehr als berechtigt ist, wie sich dieser Republikanismus im Alltag äußern kann, vielleicht sogar äußern muss, damit wir dem gerecht werden, was wir uns selbst als Vorgabe gesetzt haben.

Der erste Siggener Konsens war insofern schnell erreicht, bevor er im diskursiven Dissens auf die Probe gestellt wurde: Ja, wir müssen uns alle mehr beteiligten, damit das Gemeinwesen zum guten Leben erweckt wird. Nein, es gibt dafür nicht die eine Lösung, die sich aufdrängt. Und ausgehend von den individuellen Erfahrungen mit dem, was bereits gut geht, und dem, was deutlich dahinter zurückbleibt, entspannte sich eine lebendige Debatte um die zeitgemäßen Tools zur Aktivierung des Bürgers als Teil der Gemeinschaft. Klar schien dabei zu sein, dass wir uns von der Dualität eines „Geh‘ doch in die Politik oder beschwer dich nicht!“ entfernen müssen. Es gilt, Wege der Beteiligung zu finden, die weder das Ganz noch das Gar nicht vom Bürger verlangen, sondern die Beteiligung dort ermöglichen, wo dies den Interessen und der Kompetenz des Einzelnen entspricht. Nicht allein im Sinne des Altruismus, sondern im vollen Bewusstsein, dass die Möglichkeit, die Welt zu gestalten, etwas ungemein Sinnstiftendes und individuell Glücklichmachendes ist.

Wie groß der Wunsch des Einzelnen ist, mit sich und seinen Ansichten gehört zu werden, zeigt der Blick in die Debatten der sozialen Medien und in die Kommentarspalten der traditionellen Medien. Wie wenig diese Form der Meinungsäußerung geeignet ist, das Leben aller zu verbessern, zeigt derselbe Blick gleich mit dazu. Hier sollen nur einige der vielen besprochenen Siggener Wege kurz skizziert werden, mit denen sich das Miteinander in der Republik durch das Engagement der Bürger verbessern lässt, von der Gesetzgebung im Großen bis zur Initiative im Kleinen.

  1. Bürgerhaushalte und Bürgerparlamente: Eigene Budgets, über deren Verwendung die Bürger vor Ort mitentscheiden. Nicht die da oben bestimmen, was gemacht wird, sondern die da unten. Die Projekte werden nicht nur vom Gemeinwesen finanziert, sondern dadurch auch von den Mitgliedern der Gemeinschaft betreut und betrieben.
  1. Die Verbindung des Virtuellen mit dem Gegenwärtigen: Weder das Town Hall Meeting, also das Treffen und Debattieren bei körperlicher Anwesenheit, noch die Virtualisierung der Debatte sind für sich die Lösung. Aber die Verbindung von beidem, das Vor- und Nachbereiten des deliberativen Prozesses vor Ort durch technische Tools im Net verspricht größeren Erfolg.
  1. Wege zu einer besseren Gesetzgebung: Nicht nur die medial begleitete politisch gewünschte Zielbestimmung von Gesetzgebung ist verantwortlich für deren Erfolg, sondern auch die konkrete Umsetzung, also die handwerkliche Leistung der Regelschreibung. Hier kann das Netz für mehr Transparenz und zugleich für Beteiligungsmöglichkeiten sorgen, denn Fehler skalieren sich und richten potentiell großen Schaden an.
  2. AppStimmungen als Weg der strukturierten Meinungsäußerung: In Ergänzung zu lediglich in großen Abständen stattfindenden Wahlen und als Ersatz scheindemokratischer Demoskopie geht etwa Tübingen den Weg der Befragung der eigenen Bevölkerung, welche mit geringem Aufwand, aber höherer Detailfreude über eine App oder auch schriftlich möglich ist – nicht rechtlich verbindlich, aber je nach Ausgang durchaus recht bindend für die Kommunalpolitik.

Ein kleines Fazit: Es erstaunt einerseits immer wieder, wie konstruktiv es doch ist, interessierte und ebenso meinungsstarke wie ergebnisoffene Menschen für wenige Tage aus dem Alltag herauszunehmen und vor eine gemeinsame Aufgabe zu stellen. Wie schnell man doch so zu neuen Erkenntnissen und konkreten Ergebnissen kommen kann.

Es ist jedoch gleichermaßen wichtig zu betonen, dass allein durch das Reden eben noch nichts erreicht ist. Das Wissen um die Wege, die Welt zu verbessern, ist noch ein gutes Stück davon entfernt, diese Wege auch zu beschreiten. Es liegt an uns, etwa dem Beispiel von Senator a.D. Wilfried Maier zu folgen, der ein inspirierender Gast- und Ideengeber dieser Siggener Begegnungen war und auch 1. Vorsitzender der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg ist. Deren Namen mag spontan auf junge Leute die gleiche Anziehungskraft haben wie die Einladung zur Republikanismus-Woche in Siggen. Doch wer den Blick hinter die eigenen Begriffsvorurteile wagt, der wird überrascht sein, wie aktiv und vital hier ganz konkret am besseren Leben für alle gearbeitet wird. Ganz republikanisch eben.

Dr. Jens Jeep ist Notar in Hamburg und seit Frühjahr 2019 Mitglied des Max-Brauer-Preiskuratoriums der Toepfer Stiftung.

Verstärkung für das Stiftungsteam

Neue Kollegin für den Programmbereich Zukunftsgerechte Landnutzung

Das Team der Toepfer Stiftung wird seit dem August 2019 von Dr. Klara Helene Stumpf verstärkt. Die Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin beschäftigte sich zuletzt am Norbert Elias Center for Transformation Design & Research der Europa-Universität Flensburg mit dem gesellschaftlichen Wandel unter dem Leitbild der Zukunftsfähigkeit. Bei der Toepfer Stiftung kümmert sie sich nun um die Neuausrichtung der Aktivitäten zur „Zukunftsgerechten Landnutzung“.

Naturschutz und Landschaftspflege, Land- und Forstwirtschaft gehören traditionell in den Kernbereich der Aktivitäten der Toepfer Stiftung und wurden über Jahrzehnte überwiegend durch die Vergabe von Preisen und Stipendien gefördert. In den Jahren 2007 bis 2017 verlieh die Toepfer Stiftung den CULTURA-Preis für zukunftsgerechte Landnutzung, der sich interdisziplinär und mittelnd zwischen Wissenschaft und Praxis verstand. Aus dem Erbe dieses Preises möchte die Toepfer Stiftung ihre „grünen“ Aktivitäten mit dem neu konzipierten Programmbereich Zukunftsgerechte Landnutzung konzentrieren. Mit der Neuausrichtung des Programmbereichs folgt die Stiftung dem Auftrag aus der Satzung, sie solle „sich möglichst pionierhaft und konzentriert zeitgerechten und zukunftsträchtigen Aufgaben widmen, sich entsprechende Aufgaben suchen und sich solche stellen“.

Vor dem Hintergrund eines immer deutlicher werdenden Veränderungsdrucks auf die Agrar- und Ernährungssysteme, zuletzt verdeutlicht durch den Bericht des Weltklimarats zur Landnutzung vom Herbst 2019, sind diese verstärkt in ihren mannigfachen Wechselwirkungen und Verflechtungen in den Blick geraten. Klar ist: Ein Weiter-so-wie-bisher ist keine Option. Es stellen sich Fragen nach einer nachhaltigeren und klimagerechteren Land- und Forstwirtschaft genauso wie nach größerer Ernährungssouveränität, der Zukunft ländlicher Räume, von Kulturlandschaften und von Flächen, die nicht der Produktion unterliegen. Die Toepfer Stiftung wird sich diesem Themenkomplex in Zukunft verstärkt durch operative Programme widmen, die sich an verschiedene Akteure aus Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung richten und dazu beitragen sollen, einen Dialog über verschiedene hiermit verbundene Perspektiven, Interessen, Erkenntnisse, Lösungsstrategien und Zielkonflikte zu ermöglichen und ganz konkrete Schritte einer zukunftsgerechteren Landnutzung zu unterstützen.