Was macht eigentlich der KAIROS-Preisträger von 2015?

Vom Architekturbüro in die Lehre. Fragen an Eike Roswag-Klinge

Was reizt Dich an der Zusammenarbeit mit Studenten?
Als Architekt verbringe ich seit meinem Ruf an die Technische Universität Berlin kaum noch Zeit im Büro ZRS Architekten Ingenieure, das ich vor 15 Jahren mit initiiert habe und das meinen beruflichen Weg bislang bestimmt hat. Mit einem engagierten Team bauen wir an der TU Berlin nun das Fachgebiet Konstruktives Entwerfen und Klimagerechte Architektur unter dem ergänzenden Namen „Natural Building Lab TU Berlin“ (NBL) um. Das NBL ist im wörtlichen und übertragenden Sinne eine Werkstatt des Wandels. Unsere Studierenden arbeiten in konkreten auch handwerklichen Projekten an Architekturen einer postfossilen Postkonsumgesellschaft. Im Rahmen von transdisziplinären DesignBuild Studios arbeiten sie meist in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft an Lösungsansätzen für die große Transformation, die vor uns allen liegen muss. Für die NBL-Aktivitäten bauen die Studierenden mit uns im Berliner Wedding eine gründerzeitliche Werkhalle, die ehemals für AEG gebaut wurde, zu einer DesignBuild Werkstatt um.
Als NBL setzen wir unsere Lehre in Form eines selbstbestimmten Lernprozesses um. Die Studierenden arbeiten an ihren „Entwürfen“ weitgehend selbstbestimmt in Gruppen und Kollektiven. Als Lehrende sind wir eine Ressource des Teams und begreifen uns eher als Unterstützer und Kollaborateure im Lernprozess denn als klassisch Lehrende. Wir sehen uns selbst als Lernende in einer ungewissen Zeit. Die Studierenden entwickeln in den selbstbestimmten Lernformaten ein unglaubliches Engagement, bringen ihre Erfahrungen mit ein, entwickeln ihre eigenen Fähigkeiten weiter und positionieren sich selber im Diskurs zum Wandel unserer Gesellschaft. Mich reizen also die Ideen und die Energie, die Studierenden in gemeinsame Lehr- und Forschungsprojekte einbringen.

Welche Möglichkeiten für Veränderungen bietet der Weg in die Hochschule?
Universitäten sollten aus unserer Sicht an Lösungen für konkrete Fragestellungen unserer Zeit arbeiten, wir finden unsere Themen und Aufgabenstellungen also in der Zukunft. Auch wenn der Büroalltag im Architekturbüro ZRS sehr zukunftsorientiert, divers und visionär ist, arbeiteten wir dort an realen Projekten für Bauherren und können oftmals nicht so weit springen wie wir es uns wünschen würden. In Forschung und Lehre können wir an der Universität freier an Zukunftsthemen herangehen. Zudem stehen uns mit den Projekten der Studierenden Ressourcen zur Verfügung, die uns Handlungsraum verschaffen. Die Studierenden bekommen im Gegenzug einen Realkontext für ihre Projekte und können ihre Ressourcen sinnhaft einbringen.

Kannst Du konkrete Beispiele erzählen, wie Du mehr Wirkung entfaltest?
Wir arbeiten vorrangig im DesignBuild Format. Die Studierenden entwerfen, planen und realisieren in diesem Format gemeinsam mit einem realen Partner in der Gesellschaft zukunftsorientierte Projekte. Unser erstes Projekt im Wintersemester 2017/2018 ist das heute Infozentrale auf dem Rollberg genannte Projekt in Berlin Neukölln. Die Studierenden haben basierend auf dem EU-Forschungsvorhaben RE4 ein „Nachbarschaftszentrum“ aus Abfallstoffen entworfen. Realisiert wurde ein Dachtragwerk aus Abbruchholz, das mit Wänden aus Pappkartons, geschreddertem Papier und alten Plakaten versehen wurde. Das Projekt hat die Grenzen zirkulären Bauens ausgetestet und gleichzeitig einen Ort der Kommunikation geschaffen. Einige Studenten sind bis heute in den Betrieb des Projektes involviert. Im letzten Sommer haben wir mit einer Gruppe in Medellín ein Nachbarschaftszentrum aus Bambus geplant und realisiert. In unserer aktuellen Masterklasse bearbeiten wir zum Beispiel die gemeinwesenorientierte Transformation eines Friedhofs in Berlin Neukölln und planen Wohnungsbauten für den ländlichen Raum und suburbane Gebiete in Bangladesch. Ein Prototyp des Wohnungsbaus wird noch in diesem Jahr begonnen. Ich denke, dass solche Realprojekte, seien sie entwurflicher Natur oder realisiert, zum Diskurs beitragen und vor allem ein neues Selbstverständnis des Architekten als Gesellschaftskollaborateur ausloten.

Spielen die Beteiligung im Programm Lehren und die Ressourcen des Netzwerks für Dich eine Rolle?
Im Rahmen von Lehren kann ich unsere Lernmethodik weiterdenken und mit Lehrenden in anderen Fächern diskutieren. Es ist spannend zu sehen, wie ähnliche Reformansätzen inter- und transdisziplinären Forschens und Lernens gerade in verschiedenen Netzwerken ausprobiert werden. Auch für meine Tätigkeit als stellvertretender Direktor des Institutes für Architektur an der TU Berlin finde ich viele Impulse und Anregungen der Kollegen. Leider finden auch wir Lehrende und Forscher noch lange nicht die richtigen Methoden, um auf die vom Menschen erschaffenen Probleme wie die Klimakrise und die Ressourcenverknappung zu reagieren. Neben der Notwendigkeit von Sprunginnovationen ist vor allem die konsequente Umsetzung des Offensichtlichen notwendig, auch wenn dies unsere lange Tradition wissenschaftlichen Arbeitens hinterfragt. In engem Kontakt mit den unterschiedlichsten Akteuren der Gesellschaft werden wir die wichtigsten Themen identifizieren und gemeinsam zu Lösungsansätzen führen können.

 

Prof. Dipl.-Ing. Eike Roswag-Klinge erhielt 2015 den KAIROS-Preis der Toepfer Stiftung und ist in diesem Jahr Fellow des Dachprogramms von Lehren – dem Bündnis für Hochschullehre.Mit seinen Teams erforscht, plant und realisiert er in verschiedenen Weltregionen ganzheitliche, klimaangepasste Naturbauten, die weitestgehend auf Technik verzichten können. Schwerpunt der aktuellen Forschung liegt in der Entwicklung gesunder LowTech-Gebäude über feuchte- und klimasteuernde Baustoffe wie Lehm und Holz, sowie das Bauen im Lebenszyklus. Als Mitbegründer des Netzwerkes DieNachwachsendeStadt untersucht er die ressourcen-positive Entwicklung und Verdichtung urbaner Räume u.a. am Beispiel von Berlin. Eike Roswag-Klinge und ZRS Architekten Ingenieure wurden unter anderem mit dem Aga Kahn Award for Architecture 2007, dem Holcim Award in Gold 2011 Asia-Pacific und dem BDA-Preis Berlin ausgezeichnet.

Max-Brauer-Preis 2019

Konzertante Preisverleihung

Von Betty Schaefer

„Das ist einfach echt fresh!“ – So erklärten zumindest Susann Hoffmanns Schüler der Grund- und Stadtteilschule Veddel ihre Begeisterung für die modernisierte Stücke der jahrhundertealten Kompositionen Bachs und Beethovens, verglichen mit dem altbekannten Original. Dabei lässt sich dieser Satz sowohl auf die neuen Preisträger und Musiker des ensemble reflektor als auch auf die komplette Max-Brauer-Preisverleihung 2019 übertragen, denn im Gegensatz zu den Vorjahren erinnerte diese eher an ein Konzert als an eine typische Preisverleihung und war damit für die Historie des Max-Brauer-Preises eben echt „fresh“.Dazu passte auch das abwechslungsreiche Programm des Ensembles. Gespielt wurde Bach und Beethoven, aber auch der unbekannte Scelsi, mal in kleinerer, mal in größerer Runde, teils leichtere, teils dramatischere Stücke in fast kompletter Dunkelheit, teilweise in Kooperation mit einem Gast der Syriab Band. Auch die klassische Pause entfiel. Stattdessen wurde sie als typisches Pausengespräch mit einem (gefakten) Glas Sekt am Stehtisch inszeniert: die Musiklehrerin Susann Hoffmann, die NDR-Redakteurin Sabine Rein und der Generalintendant der Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, tauschten sich über das bisher Gehörte und ihre jeweilige Beziehung zum Ensemble aus.

Diesmal lohnte sich auch der Blick hinter die Kulissen vor der finalen Veranstaltung, denn sowohl auf Seiten der Musiker, als auch auf Seiten der Redner wurden noch einige spontane Änderungen vorgenommen: Das letzte Stück wurde noch schnell einen Halbton höher gesetzt, der Stehtisch zum Pausengespräch doch selbst hereingerollt und eben dieses Gespräch der Authentizität wegen nur in groben Stücken geprobt.

Zum Abschluss der Veranstaltung kam es dann zum wichtigsten Programmpunkt: Der Preisübergabe. Stellvertretend für das ensemble reflektor betonten Vorstandsvorsitzende Selma Brauns und Orchestermanagerin Dorothee Kalbhenn, dass der Preis genau zum rechten Zeitpunkt käme: Nicht zum Anfang oder zum Ende, sondern Hier und Jetzt, wo es für das Ensemble gerade richtig losgeht. Genau im richtigen Moment griffen auch die Musiker noch einmal ins Volle und spielten als finales Stück – mit vorangestellter Bitte an das Publikum, dieses Stück durchaus auch als persönliche Widmung zu verstehen – Whitney Houstens „I will always love you“. Und mit der ganz in Rosa getauchten und von einer Discokugel illuminierten Bühne bewiesen sie, dass auch eine große, wenn nicht sogar sehr große Portion Kitsch, durchaus zum Max-Brauer-Preis passen kann.

Betty Schaefer hat sich nach ihrem Abitur für ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur (FSJ Kultur) bei der Toepfer Stiftung entschieden und wird das Team der Stiftung bis zum Sommer 2020 unterstützen.

OPUS KLASSIK für Innovatives Konzert des Jahres

Wir gratulieren Concerto21-Teilnehmerin Elina Albach und dem PODIUM Festival zum OPUS KLASSIK 2019 für die Adaption der Johannespassion von Johann Sebastian Bach. Der Tenor Benedikt Kristjánsson erzählt in diesem vom PODIUM Festival produzierten Kammermusikformat die komplette Passion und nimmt verschiedene Rollen ein. Die Cembalistin Elina Albach und der Schlagzeuger Philipp Lamprecht zeichnen mit ihrer farbenreichen Bearbeitung das Orchester nach, während die Choräle – von der originalen Aufführungspraxis inspiriert – gemeinsam mit dem Publikum gesungen werden. https://www.opusklassik.de/

Elina Albach, 1990 in Berlin geboren, studierte von 2009 bis 2014 an der Schola Cantorum Basiliensis (Schweiz) bei Prof. Jörg-Andreas Bötticher und schloss ihr Masterstudium mit Auszeichnung ab. Sie war 2014 Stipendiatin der Sommerakademie Concerto 21 der Toepfer Stiftung , unterrichtete 2016-2017 Cembalo, Generalbass und Kammermusik an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und ist als Korrepetitorin u.a. beim Leipziger Bach Wettbewerb und beim Deutschen Musikwettbewerb engagiert. Elina Albach gastiert mit CONTIUUM und anderen Ensembles seit Jahren auf renommierten Festivals wie den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, den Internationalen Händelfestspielen Göttingen, den Thüringer Bachwochen, dem Festival Oude Muziek Utrecht, dem Bachfest Leipzig, dem Kunstfest Weimar, der Zeitfenster-Biennale Berlin, dem Holland Festival, dem Sydney Festival; Konzertauftritte führten sie durch ganz Europa, Südamerika, Japan und Australien. Die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben (Gebrüder-Graun Preis, Internationaler Berliner-Bach-Wettbewerb, Deutscher Musikwettbewerb und die Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler) und zahlreiche Aufnahmen (WDR, BR, ARD, DLF, SWR, u.a.) belegen das herausragende Talent der Künstlerin.

 

Die Nachbarschaftsmütter und -väter Hohenhorst

Foto: © Kati Jurischka

Auch im fünften Jahr seines Bestehens unterstützt „heimspiel. Rahlstedt“ das Projekt Nachbarschaftsmütter und -väter Hohenhorst, welches durch den Erziehungshilfe e.V. in Hohenhorst getragen wird. Die ehrenamtlich tätigen Elternlotsen sind im Stadtteil vernetzt und unterstützen, beraten und begleiten Familien in der Nachbarschaft in ihrer Muttersprache u.a. zu Themen wie Bildung, Gesundheit und Erziehung. Nun wurden im Schulungsjahr 2019 acht Frauen und erstmals auch zwei Männer neu ausgebildet. Am 16.08.2019 fand die Zertifikatsübergabe im Haus am See statt. Aktuell sind insgesamt 21 Nachbarschaftsmütter bzw. -väter in Hohenhorst aktiv. Sie kommen aus neun unterschiedlichen Ländern und sprechen insgesamt 16 Sprachen. Mehr Informationen finden Sie hier.

Bewerbung zum Förderfonds Demokratie bis zum 30. September

Demokratie lebt von Beteiligung und Dialog. Um Projekte zu unterstützen, die zur Stärkung dieser Werte beitragen, hat die Alfred Toepfer Stiftung gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung, der Deutschen Telekom Stiftung, der Gerda Henkel Stiftung, der Körber-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, der Schöpflin Stiftung und der Stiftung Mercator den Förderfonds Demokratie ins Leben gerufen. Bis zum 30. September können sich Initiativen bewerben, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, Pluralität fördern und Menschen zur Übernahme von Verantwortung für ein demokratisches Miteinander ermutigen. Weitere Informationen