Frontkämpfer, Zeuge, Überlebender 1914 bis 1918
Zeichnungen und Erzählungen des französischen Offiziers Roger Cadot

Ausstellung vom 26. September bis 15. November 2018

Es ist für uns heute schwer, sich das Leben der Soldaten im Ersten Weltkrieg vorzustellen. Umso wertvoller sind die Zeugnisse, die sie hinterlassen haben. Jeder Soldat hatte seine Strategie, um zu überleben – manche von ihnen haben zum Beispiel gezeichnet. Die Zeichnungen, die jetzt in der Galerie im Georgshof präsentiert werden, stammen von dem französischen Frontoffizier Roger Cadot. Seine Enkelin Elisabeth Cadot hat sich entschieden, diese Bilder zum ersten Mal der Öffentlichkeit zu zeigen. Anlass dieser Ausstellung, die gemeinsam vom Institut français de Hambourg und der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. unterstützt wird, ist der hundertste Jahrestag des Kriegsendes.

Die in diesen Zeichnungen angewandte Technik ist einfach: Bleistift, Kohle – manchmal wird der Strich verstärkt durch Tinte. Der Soldat Roger Cadot, später Offizier, sah sich nicht als Künstler. Er verwendete zum Beispiel keine Farben, im Unterschied z.B. zu den damals bereits anerkannten Künstlern Georges Scott (1873-1943) oder François Flameng (1856-1923), die im Dienst des Kriegsministeriums arbeiteten und deren Zeichnungen im Atelier nachgebessert wurden. Sein Ziel war vielmehr, Szenen zu Papier zu bringen, die ihn bewegten oder die er als wichtig erachtete. Die brutale Konfrontation mit Leben und Tod in den Schützengräben, das Leiden unter der Kälte, dem Schlamm und die Erschöpfung spiegeln sich in den Zeichnungen wider.

Die Skizzen haben aber auch eine andere Funktion: Sie reflektieren Stimmungen. Der Humor erscheint dabei wie ein Ventil, das den Druck der militärischen Disziplin erträglich macht. Mit wenigen Bleistiftstrichen, oft auf die Schnelle gemacht, erlaubt uns Roger Cadot einen Blick auf die großen und kleinen Mängel seiner Kameraden im Regiment. Er karikiert mit Vergnügen die Schwächen seiner Vorgesetzten. Sein Stift deformiert und vergröbert diesen oder jenen Charakterzug, ganz in der Art der Pressezeichnungen jener Zeit.

Die Kommentare zu den ausgestellten Bildern sind Auszüge aus dem Buch Erinnerungen eines Frontkämpfers (Souvenirs d‘un combattant), welches Roger Cadot auf der Grundlage seines Kriegstagebuches geschrieben hat. Zeichnungen und Texte bilden einen Dialog und regen dazu an, unsere Geschichte zu überdenken und zu hinterfragen.

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